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Uhren-Geschichte

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Die ersten Schwarzwälder Uhren

Die Erfahrung als Holzschnitzer, als "Schnefler", machten sich die Schwarzwälder zu Nutze, als sie etwa in der zweiten Hälfte 17ten Jahrhundert die ersten Uhren herstellten. Erste Räderuhren, also mechanische Uhren mit einem Uhrwerk, kamen in Europa im 14ten Jahrhundert auf, in der Regel waren es aus Eisen geschmiedete Turmuhren. Die ersten hölzernen Uhren für den Hausgebrauch, die von Schwarzwälder Uhrenmachern gefertigt wurden, ähnelten im technischem Aufbau den geschmiedeten Turmuhren. Als eine Art Schnitzarbeit wurde die ersten kleinen Uhren, die eines Tages in den Schwarzwald kamen, von Hand nachgeschnitzt.  Die ersten Schwarzwälder Uhrmacher sollen damals bei Waldau gelebt haben. Die Abbildung zeigt den so genannten 'Glashof', in dem um 1670 die ersten Schwarzwälder Uhren gefertigt wurden. Die ersten Schwarzwälder Uhren waren sehr einfache Gebilde, ein auf ein Holzgestell montiertes Holzwerk mit der so genannten Waag-Hemmung, noch ohne Pendel und nur mit einem Zeiger auf dem Zifferblatt, der für die Stunden. Und erst nach Einführung des frei schwingenden Pendels (etwa 1740) gingen die Schwarzwälder Uhren dann auch recht genau. Die Schwarzwälder Uhrmacher waren keine Theoretiker, die den Lauf der verschiedenen hölzernen Zahräder in den Uhrwerken berechneten. Vielmehr wurde anfangs mit Geduld und viel Geschicklichkeit gebaut und immer wieder ausprobiert. Etwa achtzig Jahre nach diesen Anfängen, war das neue Handwerk im Schwarzwald fest verwurzelt. 1740 gab es bereits 31 selbständige Uhrmacher im Schwarzwald, die Uhren zu Hause in ihren Werkstätten herstellten. Und um 1750 fanden sich überall eigens konstruierte Maschinen, die "Zahnstühle", mit deren Hilfe exakte Zahräder aus Holz gefräst werden konnten. Nebenhandwerke entwickelten sich, beispielsweise das des Schildermalers (s.u.).

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Die Uhrenträger 

Die ersten handgefertigten Uhren gaben die Schwarzwälder Uhrmacher den Glasträgern mit auf ihre Verkaufsreisen. Die Glasträger wanderten regelmäßig mit einem Holzgestell auf dem Rücken mit den Glasprodukte aus dem Schwarzwald hinaus in das Umland. Der allmähliche Erfolg des Uhrenverkaufs der Glasträger ließ einige Zeit später die Tradition der Uhrenträger entstehen. Zunächst die Uhrmacher selber zogen im Frühjahr mit den im Winter gefertigten Uhren hinaus um sie außerhalb des Schwarzwaldes zu verkaufen, danach waren die Uhrenträger Händler, die Märkte außerhalb des Schwarzwaldes besuchten.

Blütezeit und Niedergang des häuslichen Uhrenhandwerks

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Das Uhrenhandwerk im Schwarzwald entwickelte sich in einer Zeit, in der Uhren allmählich in den Alltag einzogen. In Europa entstanden Städte und Fabriken, die Agrargesellschaft wandelte sich in eine Industriegesellschaft. Diese Schwelle zur Industrialisierung war die Blütezeit des Schwarzwälder Uhrenhandwerks. Die städtische Welt kam immer mehr in den Takt der mechanischen Zeit, die Menschen lebten im Takt der industriellen Produktion und die Produktion wurde mit der Uhr berechnet, Eisenbahnen fuhren nach genauen Fahrplänen. Uhren gehörten - wie heute Computer - innerhalb weniger Jahrzehnte selbstverständlich und notwendig zum Alltag. Die Uhrenproduktion im Schwarzwald - und nicht nur dort wurden Uhren produziert - vergrößerte sich immer weiter und die Zahl der produzierten Uhren stieg nach dem Ende des 18ten Jahrhunderts steil an. Um 1800 wurden fast 150.000 Uhren jählich produziert, dreißig Jahre später waren es schon fast 600.000 Uhren. Diese Konjunktur dauerte bis gegen 1850, als sich schließlich jenes Phänomen, das die Uhrennachfrage erst hervorgerufen hatte, sich gegen die Uhrmacher und ihre Produkte selbst wandte: Die Industrialisierung machte nicht vor der Uhrenfertigung halt, Uhren wurden mittlerweile außerhalb des Schwarzwaldes industriell gefertigt. Auch im Schwarzwald entstanden nach 1850 industrielle Uhrenproduktionen, doch die häusliche, handwerkliche Fertigung von Uhren für den Markt war damit für immer beendet.

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'Sorg jung' und 'Sorg alt'

Aus der Familie Sorg sind viele Uhrmacher hervorgegangen. Aus der ersten Ehe des Neustädter Sonnenwirts und ersten Uhrmachers der Sorgfamilie, Joseph Sorg ging als erstes von sieben Kindern 1786 ein Knabe hervor, der auf den Namen des Vaters Joseph getauft wurde. Er lebte bis 1866 und wurde wie sein Vater Uhrenmacher. Aus einer zweiten Ehe des Sonnenwirts gingen noch einmal drei Kinder hervor. Auch jetzt war das erste Kind ein Knabe, auch er wurde Joseph genannt, allerdings erhielt er den Doppelnamen Franz-Joseph. Auch er wurde Uhrenmacher. Franz-Joseph Sorg wurde 1807, also 21 Jahre nach seinem Stiefbruder Joseph, geboren. Er lebte bis 1872. Nachdem die Stiefbrüder Joseph Sorg und Franz-Joseph Sorg beide erfolgreiche Uhrenmacher in Neustadt waren, nannte sich zur besseren Unterscheidung der ältere "Joseph Sorg alt" und der jüngere "Joseph Sorg jung", gelegentlich auch F.J. Sorg. (Die Abbildung zeigt Franz-Joseph Sorg.)

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Ein typisches Motiv der Schildermalerei: Die Bauernrose.

Schildermaler

Beschäftigt man sich mit der Malerei in Neustadt besonders im neunzehnten Jahrhundert, fällt die Dominanz der handwerklichen Schildmalerei auf. Im Gefolge des Uhrengewerbes waren auf Schildmaler für die äußere Gestaltung der Uhren notwendig. Die Orientierung lag auf der handwerklichen und schnellen Produktion von Gewerbeobjekten, nämlich der Uhrenschilder, in großen Mengen unter Berücksichtigung spezifischer Kundenwünsche. Es ging dabei weniger um eine feine Durchbildung des Motivs oder um eine möglichst originelle Gestaltung. Die Schildmalerei war in erster Linie, wie alle anderen zuliefernden Gewerbe der Uhrenherstellung, auf Nützlichkeit ausgerichtet.

Zeitgenössischer Stich eines Schwarzwälder Schildermalers bei der Ausübung seines Handwerks.